Radioaktive Abfälle
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Uranverbrennungskraftwerk (eigentlich ein Kernspaltungsreaktor: keine Oxidation, sondern Spaltung) – mit Uranbrennstoff betriebene Dampfturbinen – sind einer der größten Verbrechen gegenüber der Gesellschaft.
Als man begann, diese zu Entwickeln, gab es über 50 theoretisch mögliche Brennstoffe, deren Spaltungswärme man zum Betreiben einer Dampfturbine nutzen konnte. Uran setzte sich früh durch, ein entscheidender Faktor war, dass sich daraus auch waffenfähiges Material gewinnen lässt. [1]
Frankreich hat über 1 000 Zwischenfälle in seinen AKWs pro Jahr.
Und nutzt dazu Leihfirmen, welche selbst wieder Leihfirmen engagieren dürfen. [2]
Dank des Merit-Order-Prinzips haben die französischen AKWs schon erhebliche Mehrkosten für die ganze EU verursacht, weil sie, wegen Überhitzung, keinen Strom produzierten, und man die Dinger aber nicht einfach abschalten kann. Kernschmelze ist das Risiko bei Ausfall der Kühlung: Auch nach Abschaltung erzeugen Reaktoren weiter Wärme und müssen dauerhaft gekühlt werden. Diese Kühlung ist auf Strom angewiesen, bei Ausfällen greifen Notstromsysteme, deren Versagen zu schweren Unfällen führen kann. Die Probleme französischer AKWs 2022 (u. a. Kühlwasser bei Hitze, technische Defekte) reduzierten die Stromproduktion, über den europäischen Strommarkt führte das zu höheren Preisen und einem verstärkten Einsatz fossiler Kraftwerke. [3]
Auch finanziell sind AKWs hochriskant: Zwar tragen Betreiber formal einen Teil der Kosten, doch Bau, Finanzierung und Absicherung werden vielfach staatlich gestützt (z. B. über Garantien, Haftungsregeln und politische Rahmenbedingungen). Die langfristigen Kosten für Zwischen- und Endlagerung sind in staatliche Verantwortung überführt – damit verbleiben zentrale Risiken bei der Gesellschaft.
Hinzu kommt die menschliche Dimension: Schwere Unfälle haben nachweisbare gesundheitliche Folgen und erhebliche psychosoziale Belastungen für Betroffene und ihre Angehörigen. Langfristige gesundheitliche Auswirkungen sind teilweise schwer quantifizierbar und Gegenstand wissenschaftlicher Debatten.
Und es gibt jetzt schon gravierende Probleme bei der Lagerung von Atommüll:
📖 https://www.scinexx.de/news/geowissen/normandie-atommuellhalde-verseucht-grundwasser/
📖 https://www.spektrum.de/kolumne/hemmer-und-messner-erzaehlen-der-nuklearunfall-von-goiania/1950160
Atomkraftwerke abreißen ist auch nicht ohne:
📖 https://www.spektrum.de/news/langwieriger-rueckbau-wie-man-atomkraftwerke-abreisst/2063151
... und was vom Atomausstieg bleibt
📽️ https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x-harald-lesch/und-was-vom-atomausstieg-bleibt-102.html
Die Diskussion um die Atomkraft ist zurück, doch der Elefant im Raum bleibt oft unerwähnt. Denn ob Ausstieg oder Wiedereinstieg, eine Frage bleibt: Wohin mit dem radioaktiven Abfall?
Videolänge: 27 min
Datum: 22.10.2024
Video verfügbar bis 21.10.2029
Mehr zu Terra X Harald Lesch
In Zeiten der Klimakrise wirkt die Atomkraft für viele wieder attraktiv. Doch allein die Frage nach einem Endlager scheint schwer lösbar: Einer neuen Studie zufolge könnte es in Deutschland noch rund 50 Jahre dauern, bis überhaupt ein Standort feststeht. Harald Lesch beleuchtet die Herausforderungen der Endlagersuche und zeigt, wie dringend wir eine Lösung finden müssen. Denn eins ist klar: Keine Lösung ist beim Thema Atommüll wirklich keine Lösung.
Messwerte
Frage
Wo sind Messwerte zur Radioaktivität einsehbar, und wie kann man selbst Daten beitragen?
Kontext
Radioaktivität wird in vielen Staaten kontinuierlich überwacht. Messnetze dienen sowohl der Strahlenschutzvorsorge als auch der Umweltüberwachung. Parallel existieren zivilgesellschaftliche Projekte, die auf offene Daten und Beteiligung setzen.
Argumente / Übersicht
- Offizielle Messnetze
- Deutschland: Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), Messnetz der Ortsdosisleistung, Datenportal ODL-Info.
- EU: EURDEP (European Radiological Data Exchange Platform) stellt europaweite Messwerte öffentlich bereit.
- International: IAEA (International Atomic Energy Agency) betreibt IRMIS, eine Datenbank für Radiologische Notfallinformationen (teilweise nur Behördenzugang).
- Regionale Behörden: Viele Länder haben eigene Portale, z. B. Frankreich (IRSN), Schweiz (Bundesamt für Gesundheit), USA (EPA RadNet).
- Bürgerwissenschaftliche Initiativen
- Safecast (weltweit): Offenes Projekt seit Fukushima 2011, mit eigenen mobilen Messgeräten (bGeigie). Daten fließen in eine offene Karte (safecast.org).
- Radioactive@Home: Teil des BOINC-Netzwerks, Freiwillige betreiben kleine Sensoren, Messwerte werden zentral gesammelt.
- OpenRadiation (Frankreich-basiert, international nutzbar): App und Community für individuelle Messungen.
- Möglichkeiten zum Beitragen
- Teilnahme an Citizen-Science-Projekten (Safecast, OpenRadiation).
- Aufbau eigener Sensorstationen (Bausätze, Open-Source-Hardware verfügbar).
- Einspeisung von Messwerten in offene Plattformen, wenn rechtliche Rahmenbedingungen es erlauben.
Unsicherheiten
- Offizielle Netze bieten in der Regel nur geprüfte und geeichte Messdaten, während Citizen-Science-Messungen stark variieren können (Qualität, Kalibrierung, Standortbedingungen).
- Verfügbarkeit offener Schnittstellen ist länderspezifisch. Manche Behörden veröffentlichen nur aggregierte Daten oder mit Verzögerung.
- Rechtliche Fragen bei der Veröffentlichung privater Messwerte können in Einzelfällen eine Rolle spielen (z. B. Sicherheit, Alarmmeldungen).
Fazit
Messwerte der Radioaktivität sind in Europa über nationale Strahlenschutzbehörden und EURDEP öffentlich zugänglich. Weltweit existieren mehrere offene Plattformen, an denen interessierte Bürger:innen durch eigene Messgeräte mitwirken können. Für zuverlässige und amtlich geprüfte Daten sind die Behördenportale maßgeblich, für partizipative und kleinteilige Erfassung bieten sich Projekte wie Safecast oder OpenRadiation an.
| Bereich | Plattform / Institution | Reichweite | Zugang / Link | Beteiligung möglich? |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland (amtlich) | Bundesamt für Strahlenschutz – ODL-Info | Deutschlandweit | odlinfo.bfs.de | Nein (nur Anzeige offizieller Werte) |
| Europa (amtlich) | EURDEP (European Radiological Data Exchange Platform) | EU-weit | remap.jrc.ec.europa.eu | Nein (Behördennetz) |
| International (amtlich) | IAEA – IRMIS (International Radiation Monitoring Information System) | Global (Behördenmeldungen) | iaea.org/IRMIS | Nein (nur Behördenzugang) |
| Frankreich (amtlich) | IRSN – Téléray | Frankreich | irsn.fr | Nein |
| Schweiz (amtlich) | Bundesamt für Gesundheit – MADUK | Schweiz | maduk.ch | Nein |
| USA (amtlich) | EPA RadNet | USA | epa.gov/radnet | Nein |
| Citizen Science (global) | Safecast | Weltweit | safecast.org | Ja (eigene Sensoren betreiben, Daten einspeisen) |
| Citizen Science (global) | OpenRadiation | Weltweit (Schwerpunkt Frankreich) | openradiation.org | Ja (App + eigene Messgeräte) |
| Citizen Science (global) | Radioactive@Home (BOINC) | Weltweit | radioactiveathome.org | Ja (Sensoren über BOINC-Projekt einbinden) |
Quelle: ChatGPT
- ↑ Mit ‚>50 Brennstoffen‘ sind theoretisch spaltbare bzw. brütbare Isotope gemeint, praktisch nutzbar sind nur wenige Brennstoffzyklen. ‚Explosiv‘ bezieht sich hier auf mögliche Dampf- und Wasserstoffexplosionen bei Störfällen, nicht auf eine nukleare Explosion im Reaktor. Die Gewinnung waffenfähigen Materials aus abgebrannten Brennelementen ist technisch möglich, setzt jedoch Aufarbeitung voraus und wird als Proliferationsrisiko bewertet.
- ↑ ‚Zwischenfälle‘ meint hier meldepflichtige Abweichungen vom Regelbetrieb (meist niedrige INES-Stufen), darunter auch sogenannte ‚near misses‘ (Beinahe-Unfälle), bei denen ein schwererer Vorfall nur knapp vermieden wurde.
- ↑ ‚Nicht einfach abschalten‘ bezieht sich darauf, dass Reaktoren nach dem Herunterfahren weiterhin aktiv gekühlt werden müssen, da durch den Zerfall instabiler Spaltprodukte weiterhin erhebliche Wärme entsteht. Fällt die Kühlung aus, kann es zur Kernschmelze kommen. Die dafür notwendige Stromversorgung erfolgt über das Netz und mehrstufige Notstromsysteme; ein länger anhaltender Ausfall dieser Systeme stellt ein zentrales Sicherheitsrisiko dar. Die häufig als ‚Überhitzung‘ bezeichneten Probleme betrafen u. a. zu warmes oder knappes Kühlwasser infolge von Hitzeperioden.